Strip Till im Raps

Die Streifenbodenbearbeitung mit partieller Lockerung des Bodens

Die Streifenbodenbearbeitung (Strip-Tillage oder Strip-Till) mit partieller Lockerung des Bodens ist ein neues, in Europa noch wenig, aber in den USA verbreitetes Verfahren zur Bestellung von Reihenkulturen wie Mais und Soja. Anfängliche Prototypen „made in USA“ wurden in den vergangenen Jahren von der Landtechnik an europäische Anbaubedingungen angepasst und gemeinsam mit Landwirten weiterentwickelt.

Mit dem Horsch Focus CS/Focus TD, dem Köckerling Master und dem Kuhn Striger sowie der Vogelsang XTill existieren bereits erprobte Strip-Till-Systeme u.a. auch für Raps. Diese verbinden die Vorteile der Direktsaat mit denen einer krumentiefen Bodenlockerung.

Zwei Drittel der Fläche bleibt unbearbeitet mit abgestorbenem Pflanzenmaterial bedeckt
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Strip-Till im Raps

Der Boden wird lediglich in der Saatreihe partiell gelockert, während zwei Drittel der Fläche unbearbeitet und mit abgestorbenem Pflanzenmaterial bedeckt bleiben. Die Streifenbearbeitung erfolgt entweder in einem absätzigen Verfahren zeitlich unabhängig von der Aussaat oder in einem Arbeitsgang mit der Aussaat. Anbausysteme mit 37,5 oder 45/50 cm Reihenweite sind für Strip-Till nötig. Lösungen mit geringeren (Getreide-) Abständen, wobei das Saatgut links und rechts an den Rand des gelockerten Streifens abgelegt wird, gehören im strengen Sinne nicht dazu.

 

Bei den größeren Reihenweiten des Strip-Till-Systems besitzt die Einzelkornsaat gegenüber der herkömmlichen Drillsaat Vorteile. Die Einzelkornsämaschine fördert das Absetzen des bearbeiteten Strip-Till-Bereichs durch die Parallelogramm-Aufhängung der Säaggregate und durch ein System von Andruckrollen. Mit deren Hilfe wird das Saatbett partiell rückverfestigt und das Saatgut dadurch auch in der Saatrille angedrückt. Der Einsatz von RTK-GPS-Lenksystemen sorgt sowohl bei der Streifenbearbeitung als auch bei der Einzelkornsaat für eine präzise Spurführung.

Erst lockern und düngen, dann säen

Der Termin der Streifenlockerung richtet sich nach dem vorfruchtabhängigen Strukturzustand des Bodens, der Menge und Beschaffenheit der hinterlassenen Ernterückstände und dem verfügbaren Zeitraum bis zur Wiederbestellung.

Lagergetreide muss vermieden werden, da durch liegen gebliebenes und unzerkleinertes Stroh die Qualität der Streifenbearbeitung gemindert wird. Wichtig ist, dass Stroh und Spreu über die gesamte Schneidwerksbreite des Mähdreschers gleichmäßig auf der Fläche verteilt werden. Gelingt das nicht, ist der Einsatz eines Strohstriegels zweckmäßig.

Spurschäden und Schadverdichtungen sind zu vermeiden, besonders bei nassen Erntebedingungen. Der Zeitpunkt ist abzuwarten, bis der Boden in Bearbeitungstiefe (20 bis 30 cm) so trocken ist, dass die Verdichtungszone durch die Arbeitswerkzeuge des Strip-Till-Gerätes bröckelnd aufbricht. Anderseits sollte man keine Zeit verlieren, je trockener der Standort ist, je schwerer der Boden und je später die Ernte erfolgte.

Tonböden trocknen so weit aus, dass sich ein Saatbett für den kleinkörnigen Raps später nicht mehr herrichten lässt, wenn nicht sofort nach der Getreideernte der Boden im Saatbereich partiell gelockert wird. Für eine gute Anpassung an die Bodenoberfläche sorgt die Parallelogramm-Aufhängung der Strip-Till-Aggregate.

Ein vorlaufendes Schneidsech ermöglicht den Einsatz auf unbearbeiteten Flächen. Räumsterne beseitigen Stroh- beziehungsweise Ernterückstände aus dem Saatraum. Die schmalen Lockerungszinken mit Untergriff lockern den Boden krumentief, ohne die Bodenstruktur zu zerstören oder die Bodenhorizonte zu vermischen. Die seitlichen Wellsechs neben den Lockerungszinken beugen einem groben Bodenaufbruch vor.

Stickstoffdüngung bereits zur Rapsbestellung

Wird die Streifenbearbeitung mit einer Unterfuß-/Unterflurdüngung kombiniert, lassen sich Nährstoffverluste vermeiden. Nach dem Prinzip: „Erst lockern und düngen, dann säen“ können mit der Streifenbearbeitung organische und/ oder mineralische Dünger hochkonzentriert in zwei Schichttiefen abgelegt werden.

Wir unterscheiden je nach Ablagetiefe:
  • Unterfußdüngung – 5 bis 10 cm tief
  • Unterflurdüngung 15 bis 25 cm tief

Zusammen mit der Streifenbearbeitung eignet sich die Stickstoffdepotdüngung, um N-Verluste zu vermeiden und einer unvollständigen N-Aufnahme entgegenzuwirken, wenn Dünger-N zu langsam oder zu spät in die durchwurzelten Bodenschichten gelangt. Werden hauptsächlich Ammoniumsalze als Depotdünger verwendet, lässt sich die ammoniumbetonte N-Ernährung auch auf Böden mit einem hohen Nitrifikationsvermögen umsetzen.

Als sehr wirkungsvoll hat sich die biozide Wirkung hoher Konzentrationen von Ammonium erwiesen. Das stellt sich dann ein, wenn übliche Gaben von Ammonium-Stickstoff als Ammonsulfat nicht breitwürfig, sondern in relativ wenigen Depots abgelegt werden. Solche Punkt- oder Liniendepots werden von einem dichten Netz feiner Rapswurzeln umgeben, weil Stickstoff die Verzweigung der Wurzeln anregt.

Die Wurzeln können das langsam heraustretende NH4 dann kontinuierlich aufnehmen, ehe es an der Außenseite des Depots nitrifiziert wird. Derartige Depots sollten so zu den Pflanzen positioniert sein, dass die Wurzeln sie relativ schnell erreichen. Unter Umständen ist es auch ratsam, einen Teil des Stickstoffs (rd. 10 %) in Form von Dicyandiamid (DCD) zuzusetzen. Dieses wirkt zum einen als Nitrifizid, ist zum anderen wegen seines vollständigen Abbaus aber auch ein langsam wirkender N-Dünger. Wird die Streifenbearbeitung mit einer Gülle/ Gärsubstrat-Injektion kombiniert, könnte die Verwertung des Gülle-Stickstoffs verbessert werden, sodass Mineraldünger eingespart werden kann.

Die Untersuchungen zeigten:

dass bei ammoniumhaltigen Düngern durch den Zusatz von N-Stabilisatoren (Piadin) der überwiegende Teil des Stickstoffs auch über die Wintermonate in der stabilen Ammoniumform im Krumenbereich (0–30 cm) erhalten bleibt und nicht in tiefere Bodenschichten verlagert wird.

Wegen des geringen Nährstoffaneignungsvermögens während der Jugendentwicklung hat sich die Rapsaussaat mit Unterfußdüngung bewährt. Wird Phosphor zusammen mit Stickstoff in Ammoniumform ausgebracht – beispielsweise als Diammonphosphat – erreicht man damit eine verbesserte Phosphataufnahme.

Vorteil der Unterfußdüngung ist eine Anreicherung mit wasserlöslichem Phosphat unmittelbar unter der Pflanze. Durch die hohe Phosphatkonzentration in der direkten Umgebung des Düngerkorns wird der umliegende Boden abgesättigt. Ein großer Teil des Phosphats bleibt zunächst in leicht löslicher Form erhalten. Die Rapspflanzen haben Zeit, es aufzunehmen, bevor der Dünger in eine schwer lösliche Form übergeht. Für die Bedarfsdeckung des Rapses sind 25 kg P/ha beziehungsweise 57 kg P2O5/ha meist schon ausreichend.

Fazit:

Die streifenweise Bodenbearbeitung (Strip-Tillage oder Strip-Till) kombiniert die Vorteile der Direktsaat mit einer krumentiefen Bodenlockerung. Bei richtiger Einstellung der Strip-Till-Technik ist es möglich, die Bodenbedeckung als Erosions- und Verdunstungsschutz nahezu vollständig zu erhalten. Wird die Streifenbearbeitung mit einer Unterflurdüngung kombiniert, können Nährstoffverluste vermieden und ein Teil der Stickstoffdüngung bereits zur Rapsbestellung gegeben werden.

Wesentlich besser als die ganzflächige Bodenbearbeitung erlaubt die Streifenbearbeitung – dank des spurgetreuen Fahrens mit einem GPS-Lenksystem – die Trennung von Wuchs- und Fahrbereich. Dafür sind angepasste Anbausysteme mit einer aufeinander abgestimmten Reihenweite nötig. Zukünftig könnte die Einzelkornsaat von Winterraps in Kombination mit der Streifenbearbeitung größere Bedeutung erlangen, die über die eigentlichen Trockenstandorte hinausgeht.

Dr. agr. Joachim Bischoff, Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) Sachsen-Anhalt.

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