Die Frühjahrsdüngung im Raps 2020

Für viele Landwirte ist jetzt der Zeitpunkt der Frühjahrsdüngung gekommen. Bei steigenden Temperaturen beginnt der Raps sehr schnell mit dem Blatt- und Streckungswachstum und benötigt demnach ein ausreichendes Nährstoffangebot.

Der Herbst 2019 war in Deutschland überwiegend mild und die meisten Rapsbestände konnten sich vor dem Winter sehr gut etablieren. Dazu zählen auch Flächen, wo Niederschläge erst gegen Ende September 2019 gefallen sind und der Raps später auflief.​

Die Frühjahrsdüngung im Raps

Die Trockenheit des Vorjahres hatte den positiven Effekt, dass sich die Pflanzen nicht zu stark vor dem Winter entwickeln konnten. Dieser Effekt für die Ertragsentwicklung wurde allerdings in einigen Regionen, wie Teile des Nordens, dadurch gedämmt, dass viel Wasser auf die Flächen kam und ähnlich, wie im Herbst 2017, die Poren im Boden mit Wasser gesättigt waren. Dadurch wurde die Entwicklung des Feinwurzelsystems beeinträchtigt. Das kann negative Auswirkungen auf den Ertrag haben.

Die N-Gabe im Frühjahr zieht sich dieses Jahr in weiten Teilen des Landes hin. Viele Landwirte konnten und können zum optimalen Zeitpunkt den Dünger nicht fallen lassen, da die Befahrbarkeit auf vielen Schlägen nicht gegeben war oder ist. Aber bei vielen sehr stark entwickelten Beständen ist unter Umständen eine frühe Gabe auch nicht notwendig. Dies ist der Fall, wenn die Pflanze bereits jetzt zwölf Blätter aufweisen kann. Diese Bestände haben dann schon über 110-120 kg/ha N aufgenommen und benötigen nur bei Mangelsymptomen eine Gabe, wenn der Bodenvorrat nicht mehr ausreichend ist. Dieser stark entwickelte Raps braucht dann vor dem Schossen wieder eine Düngung.

Der etwas später um Mitte September aufgelaufene Raps hat in der Regel auch schon zehn Blätter pro Pflanze. Zum Vegetationsbeginn nach dem Winter benötigen diese Bestände noch zusätzlichen Stickstoff für die weitere Blattbildung. Allerdings muss die Menge so angepasst werden, dass sie bis zur Streckung ausreicht. Zu hohe Gaben ergeben eine überhohe Bildung an Blattmasse.

Bei spät aufgelaufenem Raps gegen Ende September und bei bis zu sechs bis acht Blättern je Pflanze zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Teilgabe mit sofort verfügbaren N zu empfehlen. Den Stickstoff kann der Raps für die weitere Blattbildung gut gebrauchen. Ab der Knospe können dann eventuell noch zusätzlich mit Blattdünger mögliche Defizite aufgefüllt werden, um die Erträge zu steigern. Ein Überangebot an Stickstoff sorgt für ein geringeres TKG und einen niedrigeren Ölgehalt. Ein Mangel an Stickstoff hingegen bedeutet weniger Ertrag und eine höhere Anfälligkeit gegenüber Verticillium. Dieser Befall kann zur Beeinträchtigung des Wurzelsystems führen und somit zu einer verfrühten Abreife.

Die N-Aufnahme im Herbst kann mittels einer Pflanzenanalyse grob geschätzt. Dazu werden auf einem Rapsschlag vier bis fünf Stellen gut verteilt ausgesucht und jeweils 1 m2 der oberirdischen Pflanzenteile geerntet.

Dazu ein Beispiel:

Im Durchschnitt wurden 2 kg/m2 Frischmasse gewogen. Das ermittelte Frischmassegewicht in kg wird mit dem Faktor 45 multipliziert (Annahme: Trockenmasse=10%, N-Konzentration 4,5 %). Daraus ergibt sich ein Wert von 90 kg N/ha, den der Raps im Herbst aufgenommen hat. Das ist ein sehr hoher Wert. Ein durchschnittlicher Bestand nimmt im Herbst in üblichen Jahren 50 kg N/ha auf. Allgemein sind von der im Herbst aufgenommenen N-Menge 2/3 anrechenbar. Die Differenz von den ermittelten 90 kg N/ha in unserem Beispiel zu den durchschnittlichen 50 kg N /ha beträgt demnach 40 kg N/ha. Die 40 kg N/ha x 2/3 ergibt 27 kg N/ha. In dieser Rechnung ist für die Düngeplanung also ein Abschlag fällig.

Aufgrund der neuen Düngeverordnung muss bei der Düngeplanung berücksichtigt werden, dass die Bestandesentwicklung und die N-Aufnahme im Herbst nicht berücksichtigt werden.

Ausschlaggebend ist der mittlere Ertrag der letzten drei Ernten. Die Vorgaben sind daher schwer mit der Praxis zu vereinbaren. Es kann vorkommen, dass sehr starke Bestände auf Böden mit hoher N-Freisetzung zu hohe Nährstoffgehalte aufweisen.

Die Schwefelversorgung muss ebenfalls beachtet werden. Meistens wird die S-Gabe zusammen mit N-Düngung ausgebracht (Kalimagnesia, Kieserit). Die Versorgung von S ist sehr wichtig, damit N gut von den Pflanzen verwertet werden kann. Außerdem ist S mitverantwortlich für die Ölgehalte im Rapssamen. Schwefel aus organischen Düngern kommt bei einem Mangel meist zu spät, da erst der Prozess der Mineralisation ablaufen muss.

Allgemein:

Trotz Wegfalls vieler Wirkstoffe zum Pflanzenschutz und den verschärften Auflagen der Düngeverordnung scheint es für die Rapssaison 2019/2020 witterungstechnisch bis jetzt sehr positiv zu verlaufen. Der Raps ist für die Fruchtfolge im Ackerbau eine sehr wichtige Frucht, die nicht von den Äckern verschwinden darf. Wir warten gespannt auf die weitere Entwicklung zur Blüte und zur Ernte.

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