Maisernte 2018: Konsequenzen für die Rinderfütterung

Die Silomaisernte ist in vielen Regionen Deutschlands fast komplett abgeschlossen – insgesamt rund 3 bis 4 Wochen früher als im Durchschnitt der letzten Jahre. Mit der langanhaltenden Trockenheit in diesem Jahr sind die Gras- und Maiserträge regional stark eingebrochen. Damit stehen viele Milchviehbetriebe vor der Frage: Wie kann ich meinen Grundfutterbedarf abdecken?

Durch die niedrigen Erträge bis hin zu Totalausfall beim zweiten und dritten Grasschnitt sowie der schlechten Ernte und Qualität beim Silomais – wegen teilweise mangelhafter Kolbenausbildung – werden in einigen Regionen Ernteausfälle zwischen 30 und 50% verzeichnet. Wie knapp das Futter letztendlich auf den betroffenen Betrieben ausfällt, hängt maßgeblich von der einzelnen betrieblichen Situation ab. 

Wieviel Futter habe ich und wieviel fehlt tatsächlich?

Mit den folgenden fünf Schritten verschaffen Sie sich schnell einen Überblick über die Futtersituation im eigenen Betrieb und können dabei ein mögliches Futterdefizit besser einschätzen. Außerdem hilft es Ihnen auch bei der Entscheidung, wie Sie am besten in Ihrer eigenen Situation reagieren können, beispielsweise ob Sie Futter zukaufen, Futter strecken oder vielleicht sogar Tierbestand abstocken sollten.

1. Welches Silage-Volumen liegt im Silo? Silostock abmessen und Futtervolumen bestimmen: 

Länge (m) x Breite (m) x Höhe (m) = Volumen (m³)

2. Futtertrockenmasse ermitteln: Volumen (m³) x Lagerdichte (kg TM/m³) = Gesamt TM (t)  

Falls die Lagerdichte nicht bekannt ist, hilft Ihnen folgende Faustregel weiter: Maissilage ca. 240 kg TM/m3, Grassilage 200 kg TM/m³

3. Den täglichen Futterbedarf ermitteln: Futterbedarf (in kg TM/Tag)

für den kompletten Tierbestand berechnen (für Milchkühe + Jungvieh + Trockensteher)

4. Berechnung der Futtertage im

Fütterungsjahr:

Ermitteln Sie, wie viele Futtertage überbrückt werden müssen.

Die Futterreserven sollten bis zur nächsten Ernte ausreichen. Maissilage bis Oktober 2019 und Grassilage bis August 2019.

5. Futterdefizit ermitteln Täglicher Futterbedarf x Futtertage bis zu nächster Ernte = Gesamtfutterbedarf

Vorhandene Futterreserven – errechnete Gesamtfutterbedarfsmenge = Futterdefizit

Mögliche Alternativen für betroffene Betriebe:

Futterzukauf

Einige Maisbestände für die CCM oder Körnermais vorgesehen waren, können aufgrund der unzureichend Kolbenbildung als solches nicht geerntet werden. Diese Maisbestände sollten daher einsiliert werden, um einen Teil des Futterdefizits auf den Milchviehbetrieben abzudecken. Des Weiteren haben einige Biogasanlagebetreiber noch Futterreserven in guter Qualität zur Verfügung, die sie möglicherweise an Viehbetriebe weiterverkaufen könnten. Hier stehen Betrieben zahlreiche Futterbörsen zur Verfügung, die das Zusammenkommen von Angebot und Nachfrage unterstützen.

Eine weitere Alternative ist der Zukauf qualitativ hochwertiger Saftfuttermittel (wie Pressschnitzel, Kartoffelpülpe, Biertreber etc.). Auch wenn das Angebot oft regional begrenzt ist, stellen diese Futterquellen eine gute Möglichkeit dar, um den Futterbedarf abzudecken.

Einige Betriebe haben nach Mais Ackergras eingesägt und spekulieren darauf, noch einen guten Grasschnitt im Herbst zu realisieren. Jeder Betrieb, der nicht genügend Grundfutter zukaufen kann, ist gut beraten, so früh wie möglich die Rationen anzupassen, um die Grundfutterreserven möglichst lang zu strecken.

Höhere Strohanteile in den Rationen

Generell gilt, qualitativ hochwertiges Futter sollte bevorzugt an Kälber und laktierende Kühe gefüttert werden. Währenddessen können die Rationen von Jungvieh und Trockenstehern durch einen höheren Stroheinsatz gestreckt werden. Mögliche Energie- und Proteindefizite lassen sich gut durch Kraftfutterzufuhr ergänzen. Durch den Ausgleich mit energiehaltigen und proteinreichen Komponenten können bis zu 4 kg Stroh in den Rationen beigemischt werden. Die Stroh-Konzentrat-gestreckten Rationen stellen eine gute Alternative zu grundfutterlastigen Rationen – sowohl aus Fütterungssicht, als auch aus Kostensicht – dar. Trotzdem sei hier empfohlen, dass jede Rations-Umgestaltung immer auf einer Futteranalyse basiert, damit eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung sichergestellt wird.

Bei höherer Strohzugabe ist darauf zu achten, dass die Kühe beim Fressen Futter selektieren und rangstärkere Tiere im Bestand das energiereiche Futter bevorzugt aufnehmen, wodurch der Gesamtbestand unterschiedlich gut versorgt wird. Um diese Futterselektion zu vermeiden, sollte das Stroh möglichst klein gehäckselt werden (3-5 cm Länge), sowie der Zusatz von Kraftfutter immer auf Mehlform basieren. Die Homogenität einer Ration kann auch durch den Zusatz von Wasser oder Melasse optimiert werden.

Unterschiedliche Qualitäten der Maissilage

Aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr haben sich die Maisbestände höchst unterschiedlich entwickelt. Von kolbenarmen bis hin zu gut entwickelten Beständen ist alles dabei. Allerdings wird die Qualität der Maissilage maßgeblich durch einen gut entwickelten und abgereiften Kolben beeinflusst. Da dieses Jahr aber viele Bestände kolbenarm waren, weist das Erntegut (mangels Umwandlung in Stärke) einen hohen Zuckergehalt auf. Auch wegen eines hohen Hefepilze-Besatzes ist hier besonders darauf zu achten, dass bei der Silierung der Einsatz von Siliermittel zwingend ist, um die Silage möglichst stabil zu halten.

In der unteren Tabelle wird dargestellt, wie Nährstoffgehalte von frisch gehäckseltem Mais je nach Bestandsentwicklung variieren können.

Tab.: Nährstoffgehalte unterschiedlicher Maissilagequalitäten

  Normaler Bestand Restpflanze grün

ohne/kaum Kolben

Restpflanze vertrocknet

ohne/kaum Kolben*

TM (%) 30-35 15-34 35-50
Zucker g/kg TM < 30 150-190 150-200
Stärke g/kg TM 300-350 < 40-100 26-60
NEL MJ/kg TM 6,5-6,8 5,4-5,8 5,5-6,0

*Spannweiten Frischmais bis 2018, LUFA Nord-West, Oldenburg
**Spannweiten dürregeschädigter Mais, Bradenburg 2003, nach F. Hertwing
Quelle: MASTER RIND – 2018

Sehr trockene, kolbenarme Bestände sollten nicht länger als 10 mm gehäckselt werden, um weiterhin eine vernünftige Verdichtung zu gewährleisten und Nacherwärmungsverluste zu vermeiden. Beim Füttern von Maissilagen mit hohen Zuckergehalten ist eine Ergänzung mit stärkereichen Komponenten wie Getreidezusatz oder Körnermais ratsam, um eine schnelle Stärkeverfügbarkeit für die Pansenmikroben sicherzustellen.

Stabile Energiegehalte durch Zusatz pansenstabiler Futterfette

Grundsätzlich gilt, dass der Energiegehalt der Ration im Bedarfsfall durch Zusatz von pansenstabilen Futterfetten gehalten werden kann. Die Kosten-Nutzen-Effizienz dieser Option sollte mit einem Futterberater abgewogen werden.

Die Bestandsabstockung sollte den letzten Schritt sein!

Nach Berechnung der Rinderspezialberatung ist eine Bestandsreduzierung bei den aktuellen Preisen nicht wirtschaftlich, sodass in den meisten Fällen der Futterzukauf günstiger ist. Daher sollte diese Alternative nur als letzte Möglichkeit im Betracht gezogen werden. Ausgenohmen sind hier Tiere, die aufgrund von Fruchtbarkeitsproblemen, chronischer Mastitis oder wegen geringerer Milchleistung noch im Betrieb stehen.

Das Sortiment 2019

Mais/Sonnenblume/Soja/Sorghum/Raps

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