Das Proteinproblem – Deutschland in der Abhängigkeit

Fleischkonsum steigt stetig

Die Soja produzierenden Länder wie Brasilien, USA, Argentinien setzten auf genveränderte Sojapflanzen

Deutschland hat, wie andere EU-Länder auch, ein Proteinproblem. Die Nachfrage an tierischen Produkten steigt, bis 2050 soll sie sich global sogar verdoppeln. Eine Proteinlücke entsteht in der Futtermittelindustrie. Die landwirtschaftlich gehaltenen Tiere wie Rinder, Schweine und Hühner müssen bedarfsgerecht ernährt werden und benötigen dafür eine ausreichende Proteinzufuhr. Da in Europa nicht genug proteinhaltige Pflanzen wie zum Beispiel Sojabohnen produziert werden, müssen diese importiert werden. Ungefähr 35 Millionen Tonnen Soja und Sojaschrot wurden im Jahr 2018 in die EU eingeführt. Dabei ist fast 90 % des globalen Handels mit Sojabohnen gentechnisch verändert. Die Soja produzierenden Länder wie Brasilien, USA, Argentinien setzten auf genveränderte Sojapflanzen. Diese sind gegen ein Herbizid resistent und der Unkrautdruck kann leichter reduziert werden.   

Gentechnikfreier Sojaschrot

Europäisches Sojaschrot ist gentechnikfrei und kann im Vergleich zu dem Sojaschrot aus Südamerika 126 kg CO2-Äquivalente pro Tonne Schrot einsparen, weil der lange Transportweg gespart wird. Trotzdem ist Deutschland abhängig. In Deutschland stieg der Sojabohnenanbau ab 2014 rasant an. 2019 konnten 60.000 t Sojabohnen geerntet werden. Diese Menge ist jedoch sehr klein gegenüber den 6,1 Millionen Tonnen importierten Sojabohnen allein in Deutschland. Deutsche Landwirte halten sich im Anbau von Proteinpflanzen auch zurück, weil die Vermarktung schwierig ist. Die erzielten Erlöse können noch nicht mit den gängigen Kulturen wie Weizen und Gerste mithalten.

Die biologische Wertigkeit des Proteins in Sojabohnen ist außerdem sehr hoch, weshalb ein direkter Verzehr durch den Menschen auch sinnvoll ist. Weltweit werden allerdings nur 2% der Sojabohnen direkt als Lebensmittel genutzt, 98 % wird verfüttert.

Neue Proteinquellen

Um das Proteinproblem zu lösen, muss der erhöhte Konsum von tierischen Produkten in Schwellen- und Industrieländern gestoppt werden. Außerdem forschen Wissenschaftler an neuen Proteinquellen, zum Beispiel Insekten und Algen. Wichtig wären alternative Proteinquellen besonders für Entwicklungsländer.

Auf der anderen Seite würde sich die Vermeidung von Verlusten in der Tierproduktion deutlich lohnen, denn 20 % des produzierten Fleisches gehen während oder nach der Produktion verloren. Die Ursachen liegen in den verschiedenen Ländern an unterschiedlichen Stellen. In Entwicklungsländern sind Verluste in der Lagerung und Verarbeitung von tierischen Produkten zu verzeichnen, in Industriestaaten hingegen werden viele Produkte von den Haushalten weggeschmissen. Außerdem werden in diesen Ländern die tierischen Produkte nicht optimal verarbeitet zum Beispiel werden meistens Filets verkauft und die vermeintlich weniger wertvollen Tierteile werden für beispielsweise Haustierfutter verwendet.

Um das deutsche Proteinproblem zu minimieren, möchte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Landwirte durch eine Eiweißpflanzenstrategie dazu animieren, mehr heimische Eiweißpflanzen anzubauen. Dazu zählen Erbsen, Lupine und Ackerbohnen. Die Ziele der Eiweißpflanzenstrategie gehen von der Leguminosenforschung über regionale Wertschöpfungsketten bis hin zu einer Zukunftsstrategie ökologischer Landbau. Zu den anbauwürdigen Leguminosen zählen seit einigen Jahren auch Sojabohnen.

Im Juli 2017 unterschrieben 14 Mitglieder der EU außerdem eine Europa-Soja-Erklärung. Darin enthalten sind Maßnahmen, die eine nachhaltige Produktion von Sojabohnen in Europa fördern sollen.

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