Maissilierung

Stabilität verbessern und Verluste senken durch den gezielten Siliermitteleinsatz

Vornehmlich in Süd- und Mitteldeutschland müssen Silomaisbestände witterungsbedingt in diesem Jahr früher geerntet werden, als üblich. Solche Bestände enthalten viel Zucker, der optimalerweise in Milchsäure mit einem Anteil Essigsäure zur Sicherung der aeroben Stabilität umgesetzt werden sollte.

Ohne den gezielten Silierzusatzeinsatz kann dieses Ziel aber nicht sicher genug erreicht und die Silierverluste unter 10% TM gehalten werden. Wann und mit welchen Produkten ist ein Silierzusatz für Milchvieh- bzw. Biogasmaissilagen sinnvoll?

Silagehygiene und Siliermitteleinsatz

Maisprodukte sind generell als leicht silierbare Futterarten einzustufen, die aber aufgrund ihrer Zuckergehalte bei einer relativ geringen Pufferkapazität zu aerober Instabilität, Nacherwärmung und Schimmelbildung neigen. Nacherwärmende bzw. schimmelbelastete Silagen erhöhen die Trockenmasse- und Energieverluste, die bei guter Siliertechnik bei jeweils 5-10 % liegen. Es ist daher bereits bei der Anlage des Silos auf die Empfehlungen zur Verdichtung und Vorschubgestaltung zu achten.

fluessige_silierzusaetze_1

Flüssige Silierzusätze werden heute in Mehrwegcontainern angeboten. Zum Befüllen der Dosierer am Häcksler ist eine Umpumptechnik erforderlich.

Arten und Wirkungen von Siliermitteln und –zusätzen

Zur sicheren Vermeidung von Stabilitätsrisiken und Schimmelbildungsgefahren bei Maisprodukten gibt es DLG-geprüfte Zusätze der Wirkungsrichtung 2 (Übersicht 1), die vorzugsweise als Flüssigprodukte während des Häckselns eingesetzt oder in Form einer Oberflächenbehandlung auf die gefährdeten Silopartien aufgebracht werden.

Übersicht 1:
Milchsäurebakterien

Milchsäurebakterien (MSB) arbeiten heterofermentativ (he, =essigsäurebildend) oder in Kombination mit homofermentativen (ho, =überwiegend milchsäurebildend) MSB. Durch eine Erhöhung der Essigsäure wirken sie als Stabilisator unter Inkaufnahme von leicht erhöhten TM-Verlusten bei der Vergärung (Übersicht 2). Die Wirkungssicherheit dieser Zusätze ist jedoch im Vergleich zu chemischen Produkten geringer (Übersicht 3).

Der stabilisierende Effekt heterofermentativer Milchsäurebakterien tritt erst nach einer Lagerungszeit der Silagen im geschlossenen Silo von mindestens sechs Wochen ein. Bei sofortiger Verfütterung einer Maissilage ist mit keiner Verbesserung der aeroben Stabilität durch die biologischen Siliermittel zu rechnen.

Muss Maissilage unmittelbar nach der Einsilierung verfüttert werden, sollte hierfür eine kleine Siloanlage separat angelegt werden. Die flüssige Anwendung ist immer zu bevorzugen, da eine bessere Verteilung möglich ist.

Übersicht 2: Mittlere Effekte von DLG-geprüften Silierzusätzen zu Maisprodukten
Chemische Zusätze

Chemische Zusätze wirken in Bezug auf die Wirkungshöhe und –sicherheit am stabilsten, haben jedoch einen relativ hohen Preis (Übersicht 1). Hier ist weiterhin zwischen korrosiv und neutral wirkenden Anwendungen zu unterscheiden.

Neutralsalze weisen dabei Vorzüge in der Handhabung auf. Der Zusatz von Futterharnstoff in der Menge von 3 – 4 kg/t Siliergut bei hohen Maisanteilen in der Ration ist ebenfalls möglich, wenn die Vorgaben der Futtermittelhygiene-VO bei Verwendung von Zusatzstoffen eingehalten werden.

Zur Verbesserung der Lagerstabilität von Maisssilage eignet sich auch das aus dem Lebensmittelbereich stammende Konservierungsmittel Kaliumsorbat. Eingesetzt wird es mit einer Aufwandmenge von 400 g/t FM in gelöster Form über die Dosiereinrichtung des Feldhäckslers (ca. 1,87 €/t FM). Der Einsatz dieses Produktes setzt aber dessen Dokumentation voraus.

Ein Musterformular ist mit folgendem Link zu finden: http://www.dlg.org/fileadmin/downloads/fachinfos/futtermittel/anlage_merkblatt_saeure.pdf

Kombinationsprodukte

Kombinationsprodukte bestehen hauptsächlich aus MSBho und einer chemischen Komponente wie Kaliumsorbat oder Natriumbenzoat. Einige der Produkte erfordern zwei Dosierer am Ernteaggregat, Fertigprodukte dagegen können auch direkt über einen Dosierer appliziert werden.

Einen umfassenden Überblick über die Siliermittel mit Gütezeichen erhalten Sie im Internet unter: http://www.guetezeichen.de.

Preislisten finden Sie unter der Adresse: http://www.lksh.de/fileadmin/dokumente/Landwirtschaft/Pflanze/Gruenland-Ackerfutterbau/Dauergruenland/DLG_Siliermittelliste_Stand_04-12.pdf

Übersicht 3: Wirkungssicherheit verschiedener Silierzusatztypen zur Verhinderung der Nacherwärmung bei Maissilage
wirkungssicherheit_verschiedener_silierzusatztypen

*) KOMB = Kombination aus MSB und CHEM

 

Mittelwahl und Einsatzempfehlungen in der Praxis

Aus der Auswertung der 15-jährigen DLG-Gütezeichen-Versuche (Übersicht 2) lassen sich Einsatzempfehlungen mit verschiedenen Wirkungsrichtungen ableiten. Demnach ist ein Silierzusatz zur Sicherung der Silagehygiene und Vermeidung der aeroben Instabilität unter perfekten Silier- und Entnahmebedingungen nicht notwendig. In der Praxis sind diese Bedingungen aber bei folgenden Gegebenheiten schwierig erreichbar:

  • Silos ohne Seitenwände
  • Silagemenge oberhalb der Seitenwände
  • Siloanlagen mit großen Stapelhöhen > 6 m (lange Flanken)
  • Sommermaissilagen, Feuchtmais oder CCM mit geringerem Vorschub
  • Maissilagen mit Verdichtungswerten unter Sollwert (< 250 kg/m3)
  • LKS-, CCM und Feuchtmais-Silagen

In jedem dieser Fälle sollte ein für die jeweilige betriebliche Situation angepasster Silierzusatz zur Vorbeugung vor Nacherwärmung und möglicher minderwertiger Silagehygiene eingesetzt werden. Dieser Einsatz ist immer wirtschaftlich, da die Verluste durch Erwärmung und mögliche negative Folgen bei der Verfütterung minderwertiger Silagepartien stets teurer sind.

Bei Milchviehmaissilagen, die das Risiko einer Fehlgärung (Veresterung) aufweisen, sollten ebenfalls Silierzusätze der Wirkungsrichtung 2 eingesetzt werden.

Siliermittel für Biogassilagen
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Bei Siloanlagen auf Platten ohne Seitenwände ist die Forderung von abraumfreier Silage nur schwierig zu erfüllen. Daher ist mindestens eine Teilbehandlung, besser sogar eine komplette Behandlung mit Zusätzen bei der Sommerverfütterung bzw. Sommereinspeisung erforderlich.

Zum Einsatz von Siliermitteln bei Biogassilagen sind die Möglichkeiten, Wirkungsweisen und Einsatzhinweise der Mittel in Übersicht 4 aufgelistet. Mögliche Effekte von Silierzusätzen bei Biogassilagen müssen in einer Gesamtbewertung aller Produktionsschritte betrachtet werden. Folgende Effekte werden in einer Gesamtbilanzierung herangezogen:

1. Verlustreduzierung (weniger Substrat geht durch Fehlgärungen verloren)
2. Verhinderung der Nacherwärmung (weniger Substrat geht bei der Entnahme verloren)
3. Fermenterstoffwechsel (z.B. mehr Essigsäure als Vorstufe des Methans)
4. Fermenterdynamik (schnellere Methanbildung und daher höhere Raumbelastung)

Übersicht 4:

Die DLG hat ein spezielles Prüfsystem für ein DLG-Gütezeichen „Verbesserung der Ausbeute an Biogas“ erarbeitet, das eine Gesamtbilanzierung des Siliermitteleinsatzes zulassen soll. Die ersten Ergebnisse bei Mais- und GPS-Silagen weisen eine Steigerung der Methanausbeute von 2-7 % auf. 

Eine Reduktion von Verlusten durch Verhinderung von Fehlgärungen kann mit Hilfe von homofermentativen Milchsäurebakterien (normale Silierbedingungen; DLG-Wirkungsrichtung 1b und 1c) oder durch chemische Zusätze (schwierige Bedingungen, DLG-Wirkungsrichtung 1a) erfolgen. Zusätze zur Verhinderung der Nacherwärmung sind im DLG-Prüfsystem in der Gruppe 2 zu finden. Dabei kommen heterofermentative Milchsäurebakterien oder organische Säuren zum Einsatz.

Im Biogasfermenter stellt Essigsäure die Vorstufe des Methans dar. Die Gehalte an Essigsäure lassen sich mit dem Einsatz heterofermentativer Milchsäurebakterien erhöhen, entweder alleine oder in Kombination mit homofermentativen Milchsäurebakterien.

Hinsichtlich der spezifischer Gasausbeute von Gärprodukten gibt es nach NUSSBAUM 2009 keinen Unterschied zwischen Milch- und Essigsäure (Milch- und Essigsäure < Buttersäure < Propandiol, Ethanol). Da beim Einsatz heterofermentativer MSB die Gärverluste zunehmen, muss der Gärprozess in die Bilanzierung mit aufgenommen werden.

Ergebnisse an Mais- und GPS-Silagen zeigen, dass dann die Gesamtausbeute höher liegen kann und zusätzlich die verlustintensiven Erwärmungen der Silage verhindert werden können.

Wirtschaftlichkeit des Silierzusatzeinsatzes

Siliermittel rechnen sich immer dann, wenn die Kosten (Produkt, Dosiertechnik) niedriger sind als der Nutzen, z.B. in Form der Verlustreduktion durch die Verhinderung einer Nacherwärmung. DLG-geprüfte Silierzusätze verhindern die durch eine Nacherwärmung entstehenden TM-Verluste.

In Übersicht 5 ist sowohl die Vermeidung von 5 % als auch von 10 % TM-Verlusten durch den Einsatz eines Zusatzes bei zwei Bestandesgrößen berechnet. Es zeigt sich deutlich, dass bereits bei einer geringen Verlusteinsparung der Einsatz wirtschaftlich ist.

Übersicht 5: Wirtschaftlichkeit Siliermitteleinsatz in Abhängigkeit von der Bestandesgröße und der Verlusteinsparung (nach KRAMER 2012)

Annahmen: Kosten Maissilage: 40 €/t: 3 % unvermeidbare Verluste, d.h. Jahresbedarf in t/0,97 = vom Feld zu behandelnde Maissilage in t Frischmasse. Ganzjähriger Stallhaltung, 20 kg FM-Aufnahme an Mais je Kuh und Tag sowie 10,5 kg FM-Aufnahme je Jungrind/Tag.

Logistik und Dosiertechnik

Frühzeitige Absprachen zwischen Landwirt und Lohnunternehmer über den Siliermitteleinsatz sind unbedingt notwendig, um zu gewährleisten, dass das richtige Mittel und die passende Dosiertechnik vor der Ernte parat sind.

Die sicherste Wirkung eines Silierzusatzes wird mit einer Dosiertechnik am Häcksler zur Ausbringung von Flüssigprodukten erreicht. Da die Aufwandmenge von chemischen Zusätzen relativ hoch ist, muss auf eine entsprechende Pumpenleistung geachtet werden, die an die Durchsatzleitung des Häckslers angepasst ist.

Um bei der Kanten- bzw. Oberflächenbehandlung Mittelkosten zu sparen, wird vielfach nur eine Teilbehandlung dieser Silagepartien angestrebt. Um die Mittelverteilung bei dieser Form der Behandlung zu gewährleisten, gibt es nur die Möglichkeit das Produkt mit einer PS-Spritze mittels Düsenbalken zu applizieren. In jedem Fall ist eine solche Teilbehandlung nur eine Behelfslösung.

Fazit

Für eine hohe Leistung aus Maisprodukten sind eine perfekte Verdichtung und ein gutes Siliermanagement erforderlich. Siliermittel haben bei sachgerechtem Einsatz das Potential, die Qualität der Maisprodukte nicht nur zu sichern, sondern sogar zu verbessern.

Ein wirtschaftlich erfolgreicher Siliermitteleinsatz basiert auf der Beherrschung perfekter Siliertechnik und der richtigen Einschätzung des zu silierenden Materials. Bei der Silierung von Maisprodukten spielen Zusätze zur Sicherung der aeroben Stabilität die größte Rolle. Neben der damit erreichten Reduzierung der Verluste sichern Sonderwirkungen zur Steigerung der Methanausbeute zusätzlich die Wirtschaftlichkeit von Zusätzen ab. Vorzugsweise sollten die Produkte beim Häckseln in flüssiger Form eingesetzt werden.

Dr. Johannes Thaysen, Landwirtschaftskammer SH, Abteilung Pflanzenbau/Pflanzenschutz/Umwelt

jthaysen@lksh.de, Tel. 04331-9453-323

Bildrechte. Dr. Thaysen

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