Pflanzenschutz Herbst
Unkrautbekämpfung:
Eine intensive Stoppelbearbeitung bzw. Einarbeitung der organischen und mineralischen Düngemittel senkt die mögliche Verunkrautung schon im Vorwege um bis zu 60 %. Mehr denn je kommt es außerdem darauf an, die spezielle Verunkrautung der einzelnen Schläge des Betriebes genau zu kennen und zu dokumentieren. Unbehandelte Parzellen sind der erste Schritt in diese Richtung.
Der Einsatz von Herbiziden für die Vorsaat-Einarbeitung ist erheblich zurückgegangen. Ursachen sind das begrenzte Wirkungsspektrum gegen kreuzblütrige Unkräuter wie Hirtentäschel, Hellerkraut oder Wegrauke und ökologische Aspekte.
Im Vorauflauf kann das Herbizid Cirrus (Wirkstoff Clomazone) eingesetzt werden. Die Anwendung von Cirrus erfolgt im Vorauflauf bis 5 Tage nach der Saat mit 200 g/ha auf leichten und 240 g/ha auf schweren Standorten. Cirrus eignet sich besonders auf Standorten mit Leitverunkrautung Hirtentäschelkraut, Ackerhellkraut, Wegrauke und Klettenlabkraut. Auf Kamille, Ackerfuchsschwanz und Windhalm hat Cirrus nicht genügend Wirkung. Hier muss Butisan mit 1,0 bis 1,5 l/ha oder mit 1,0 l/ha in Tankmischung mit Cirrus eingesetzt werden.
Brasan enthält neben Clomazone auch den Wirkstoff Dimethachlor. Es wirkt mit 2,0-3,0 l/ha im Vorauflauf auf einjährige Ungräser und breitblättrige Unkräuter, einschließlich Klettenlabkraut, Kamille und Ackerfuchsschwanz. Schwächen in dem ungewöhnlich breiten Wirkungsspektrum gibt es nur bei Ausfallgetreide und Stiefmütterchen. Die Abhängigkeit von Bodenfeuchte und Humusgehalt ist als vergleichsweise niedrig einzustufen. Brasan hat in Versuchen eine hohe Wirkungssicherheit gezeigt.
Nimbus ist ein Kombinationspräparat aus den Wirkstoffen Metazochlor und Clomazone. Einsatz: 2,5 – 3,0 l/ha im Vorauflauf (0 – 72 h nach der Saat); Wirkungsspektrum wie Brasan. Durch den Zusatz von Clomazone können Kreuzblütler wie Hirtentäschel und Ackerhellkraut ebenfalls bekämpft werden. Diese beiden Herbizide (Brasan und Nimbus) vereinen die Breitenwirkung des Butisan mit den Spezialstärken des Cirrus (Klebkraut, Hellerkraut, Hirtentäschel, Rauken u. Kornblume). Sind die letztgenannten Problemunkräuter nicht vorhanden, bringen Brasan und Nimbus kaum Vorteile. Als Nebenwirkung Clomazone-haltiger Präparate muss allerdings mit Aufhellungen und Blattverlusten gerechnet werden. Diese Herbizide sollten nur unter strikter Berücksichtigung abdriftmindernder Naßnahmen, bei Windstille, mit planmäßigem Abstandhalten zu problematischen Nachbarschaften und nur bei Temperaturen unter 25°C und nicht auf zu leichten Böden angewandt werden - innerhalb von drei Tagen nach der Saat.
Allgemein sind Nachauflaufherbizide zu bevorzugen, da für sie Schadschwellenmodelle vorliegen und eine größere Breitenwirkung erzielt werden kann. Eine frühe Unkrautbekämpfung (in den Auflauf der Unkräuter) ermöglicht dabei eine schnelle und konkurrenzfreie Jugendentwicklung des Rapses. Die Auswahl der geeigneten Rapsherbizide muss sich an der Leitverunkrautung orientieren. Ein Standard-Herbizid im Rapsanbau ist Butisan. Wichtig ist hier die Anwendung möglichst kurzfristig nach der Saat, da ansonsten die Wirksamkeit gegen Hirtentäschel stark nachlässt. Butisan wird im frühen Nachauflauf mit 1,0-1,5 l/ha auf Standorten ohne Klettenlabkraut, bei Leitverunkrautung Kamille und Ackerfuchsschwanz oder Windhalm angewandt. Butisan Top, eine Formulierung mit dem gegen Klettenlabkraut wirkenden Wirkstoff Quinmerac, ist derzeit das am häufigsten eingesetzte Raps-Herbizid. Es eignet sich besonders für Rapsstandorte mit breiter Verunkrautung, auf denen Leitverunkrautung aus Klettenlabkraut, Kamille, Ackerfuchsschwanz und/oder Windhalm besteht. Hirtentäschel und Ackerhellkraut werden unterdrückt, wenn Butisan Top in den Auflauf dieser Unkräuter eingesetzt wird. Butisan Top wird im frühen Nachauflauf, d.h. in den Auflauf der Unkräuter bis zum Keimblattstadium mit 2,0 l/ha eingesetzt.
Bei Problemen mit Ausfallgetreide findet in der Regel Fusilade ME, Focus Ultra, Targa Super oder Agil Einsatz, allerdings erst ab dem 2. Laubblatt der Rapspflanze.
Bekämpfung von Pilzkrankheiten/Halmverkürzung:
Bei starkem Befallsdruck von Phoma lingam (Erreger der Wurzelhals- und Stängelfäule) ist ein Einsatz von Folicur im 6-Blattstadium bis ca. Mitte Oktober möglich. Gleichzeitig bewirkt Folicur eine Vergrößerung des Wurzelhalsdurchmessers und verbessert die Schossfestigkeit vor Winter. Ein Fungizideinsatz im Frühjahr betrifft in der Regel den Befall von Sclerotinia (Weißstängeligkeit, Rapskrebs), der mit einer Vollblütespritzung von Mitteln wie Cantus oder Folicur bekämpft werden kann. Mit Contans WG steht ein biologisches Bekämpfungsmittel zur Verfügung, das effektiv in die Fruchtfolge eingebaut werden kann.
Wachstumsregler:
In weit entwickelten Beständen kann bereits im Herbst eine Wachstumsbremse nötig werden. Der Vegetationspunkt muss dicht am Boden bleiben, um das Auswinterungsproblem zu begrenzen. Wachstumsregulierende Maßnahmen können mit ersten Fungizidmaßnahmen gegen Phoma und Cylindrosporiose (Graufleckigkeit) gekoppelt werden. Um die Vorteile einer Anwendung von Folicur im Herbst zu sichern, können folgende Entscheidungskriterien herangezogen werden: früher und massiver Befall durch Phoma lingam; dichter (> 60 Pfl./qm), zum Überwachsen neigender Bestand bei 4-6 voll entwickelten Laubblättern bis Ende September (3. Sept. Woche) und beginnender, sichtbarer Sprossstreckung (Längsschnitt anfertigen); frühe Aussaat oder schnellwüchsige Sorte; N-nachliefernde Vorfrucht; lückiger, schwach oder ungleichmäßig entwickelter Bestand; witterungsbedingter Stress durch Nässe, Trockenheit oder Verschlämmung. In Beständen mit guten, gleichmäßigen Bestandesdichten (>50 Pfl/qm) und hoher Stickstoffversorgung kann der Einsatz von Wachstumsreglern in einer Vorblütebehandlung angebracht sein.
* Der Einsatz von Triazolen ist prinzipiell durchaus möglich; als unbedingte Standardmaßnahme ist er jedoch nicht anzusehen.
Alle Aussagen beruhen auf Versuchsergebnissen und Erfahrungen.
Anbaujahr und Standort können Abweichungen bedingen.
Hierfür übernehmen wir keine Haftung.











